Die meisten Einwohner Kongresspolens waren polnisch sprechende Katholiken. Drei Minderheiten (jede ungefähr 5-10%) waren Litauer (nördlich von Suwałki), Ruthenen (byzanthinische Katholiken im Osten sowie die Juden). Es gab auch eine kleine deutschsprachige Gruppe. 1875 verbot der Zar den byzantinisch-katholischen Ritus (die Unierten), und die Gläubigen wurden gezwungen, zur östlichen Orthodoxie zu konvertieren. Zu Beginn des 20.Jh. konvertierten viele von ihnen zum römischen Katholizismus, was ihre Polonisation zur Folge hatte. All diejenigen die orthodox blieben, fühlten sich normalerweise als Ukrainer.
Nach dem 1.Weltkrieg wurde der größte Teil Kongresspolens Teil der unabhängigen polnischen Republik. Nur der nördlichste Teil wurde in den litauischen Staat integriert.
Während des 2.Weltkriegs verloren mehr als eine Million der Bewohner des früheren Kongresspolens ihr Leben. 90% der dort ansässigen Juden wurde von den deutschen Nationalsozialisten ermordet - wie auch hunderttausende katholischer Polen. Nach dem 2.Weltkrieg wanderten die meisten der überlebenden Juden aus Polen aus. Die ukrainische Minorität wurde zum größten Teil gezwungen sich in der UdSSR anzusiedeln. Infolge der Grenzänderungen im Jahre 1945 wurde ein schmaler Streifen des früheren Kongresspolens Teil Weißrusslands.
Die Karte zeigt das Gebiet des Königreichs Polen (Kongresspolen) vor dem 1.Weltkrieg. Die violette Linie ist die nach dem 2.Weltkrieg gezogene Grenzlinie zwischen Polen und seinen östlichen Nachbarn. Der nordöstliche Teil des Königreichs, welches nun zu Litauen gehört, ist in grün gehalten und der schmale Gebietsstreifen, welcher nun zu Weißrussland gehört, ist gelb gehalten.
